Knut Streelow
Bequem ist der Mann sicher nicht: Jahrelang weigerte sich der Gitarrist Franz de Byl, Platten aufzunehmen, weil er sich nicht ausbeuten lassen wollte. Dass er sich jetzt doch wieder in Rillen verewigen ließ, liegt angeblich an der Einstellung der Produktionsfirma „Free Music Production“, die dem großen Kommerz abhold ist. De Byls Lieder sind musikalischer Protest gegen seine Umwelt. Und weil er seine Klagen in die traditionellen Formen des Blues presst, hebt er sich weit vom üblichen Protest-Geplänkel ab. Die in Berlin lebende Ruhrpott-Pflanze hat aber seinen schwarzen Blues-Vorbildern etwas voraus: Er begnügt sich nicht mit der monotonen rhythmischen Struktur dieser Urform des Jazz. De Byl entfernt sich hin und wieder von starrer Rhythmik und Harmonik, um ihr dann wieder umso intensiver zu huldigen. Das ist eine Platte, die zum Zuhören zwingt, auch wenn die tiefen Töne der Gitarre zuweilen so stark übersteuert sind, dass mancher um das Weiterleben seiner Tieftöner fürchten wird.
aus: Audio # 5, Mai 1981

Manfred Sack
Die Balladen, die der Berliner Gitarrist de Byl mit kratziger Stimme hervorpresst, gehören in die Gattung des Blues. Aber die ist hier so weit gefasst, dass darin (wie im Stück „Portugeese“) auch der Flamenco Platz hat, eine ganz ungewöhnliche Symbiose. Die Stimmung all dieser Stücke ist passioniert schwermütig; sie teilt sich einem auf Anhieb mit, auch wenn manche Texte ihren Inhalt nicht immer preisgeben und offenbar mehr als Klangfarbe wichtig sind, so wie die Mundharmonika eine neben der Gitarre ist. Die Musik hat, so einfach sie sich gibt, eine merkwürdig insistierende Kraft; sie kommt mit wenigen motivischen Einfällen aus und ist – auch in den raschen Läufen – rhythmisch pointiert. Franz de Byl, bisher noch wenig hervorgetreten, ist ein gewandter, improvisationssicherer Gitarrist von auffallender Individualität.
aus: Die Zeit, 23. Januar 1981

Michael Thiem
Über Franz de Byl, unser bestes Stück in Sachen Blues, brauche ich nun wirklich keine langen Traktate zu schreiben. Er spielt den Blues, ohne sich an irgendwelche Bluesformen zu klammern. So kann er die Stücke beliebig ausdehnen, ohne sich permanent wiederholen zu müssen, kann bluesfremde Elemente einfließen lassen, ohne dass er die Gefahr des Bruchs läuft: „Portugeese“ fußt auch auf iberischer Volksmusik. Das Ganze ist also recht offen gestaltet. Muss ich darüber hinaus noch auf Franz de Byls außerordentliche spielerische Fähigkeiten verweisen? Auf seinen rauen, kehligen Gesang, der die dringlichen Texte nachdrücklich unterstreicht? Nicht zu vergessen die hervorragende Aufnahmequalität, die mir beinahe suggeriert, Franz sitzt am Schreibtisch direkt gegenüber und erzählt mir ganz persönlich seine Geschichten.
aus: Zitty # 1 (Berlin), 1981